Konzertprogramm Frühjahr 2012
Satoshi Yagisawa (*1975)
Hymn to the sun (2009)
Satoshi Yagisawa wurde 1975 in Tokio geboren. Nachdem er dort an der Musikhochschule studiert und sein Studium mit dem Master of Music abgeschlossen hatte, war er zwei Jahre in der Musikforschung tätig.
Die Bandbreite seiner Werke umfasst sowohl Orchester-, Kammer- und Chormusik als auch
traditionelle japanische Instrumentalmusik. Auch als Juror bei Wettbewerben, als Gastdirigent und als Verfasser von Fachliteratur ist er tätig.
Wie viele seiner Veröffentlichungen für Blasorchester bedient sich Hymn to the Sun einer lebendigen Klangsprache. Ein klangvolles und dramatisches Wechselspiel der Register wird in reichen Farben zelebriert. Das Werk beginnt ruhig und klangmalerisch. Mit dem Erwachen der Natur geht die Musik in einen rhythmisch mitreißenden Melodieteil über und findet seinen Höhepunkt in der Beschreibung eines Sonnenaufgangs. Dieser mutet im Gegensatz zur Klangfülle des Anfangs eher schlicht an und entfaltet dadurch seine anmutige Wirkung.
Martin Ellerby (*1957)
Klarinettenkonzert (2000)
1. Carousel
2. Cameo
3. Charabanc
Solist: Wolfgang Meyer
Der 1957 geborene englische Komponist Martin Ellerby studierte unter anderem bei Joseph Horovitz am Royal College of Music in London. Neben seiner Tätigkeit als Komponist ist er Gastdozent am Headquarter Music Services der britischen Royal Air Force und engagiert sich im Verlagswesen. Er hat sich mit seinem vielfältigen Oeuvre, bestehend aus Chorwerken, Sinfonie- und Blasorchesterwerken, Kammermusik und Sololiteratur international einen Namen gemacht.
Sein Konzert für Klarinette und Blasorchester entstand als Auftragskomposition für die britische Klarinettistin Linda Merrick. Das dreisätzige Werk, das er selbst als „Gute-Laune-Konzert“ bezeichnet, greift wie ein nostalgischer Bilderbogen verschiedene Szenen der „Guten alten Zeit“ auf.
Der erste Satz Carousel, der sich an die Tradition der amerikanischen Minimal Music anlehnt, ist durchweg energiegeladen und voller Einfallsreichtum. Er beschwört Bilder eines Jahrmarktbummels mit der dazugehörigen Karussellfahrt herauf.
Der zweite Satz Cameo wirft einen Blick auf ein altmodisches Schmuckstück, eine Kamee. Die musikalische Umsetzung dieses Kleinods umfasst eine lyrische Legatomelodie und gibt dem Solisten Raum sich in einer Abfolge kleiner Kadenzen zu entfalten.
Der dritte Satz Charabanc beschreibt die Fahrt mit einem nostalgischen Ausflugswagen, ein offener Bus mit langen Sitzbänken. Der Satz ist in einer offenen Rondoform gehalten und bedient sich mit Anleihen aus dem Jazz und der Unterhaltungsmusik. Der Zuhörer ist aufgefordert seine Gedanken schweifen und eigene Bilder entstehen zu lassen.
"Sing, Sing, Sing, a Tribute to Swing"
Solist: Wolfgang Meyer
Für den folgenden Beitrag verkleinert sich das Landesblasorchester zu einem Jazzorchester in klassischer Big Band Besetzung. Diese geht zurück auf die legendären US-Tanzbands, die ihre Blütezeit in den 30er und 40er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts erlebten. Sie boten dem Publikum vor allem glänzende Unterhaltung und brachten damit das Lebensgefühl einer ganzen Generation zum Ausdruck. Die populären Orchester und deren Bandleader avancierten durch die neu aufkommenden Massenmedien zu gefeierten Stars. Musiker wie Glenn Miller, Duke Ellington, Count Basie und Benny Goodman bleiben unvergessen.
Mit einer launigen Auswahl bekannter Evergreens zollen wir der Ära des Swings Tribut und nutzen sie als Gelegenheit eine weitere Facette des Ausnahmeklarinettisten Wolfgang Meyer zu präsentieren.
Luis Serrano Alarcón (*1972)
Marco Polo, La Ruta de la Seda (2007)
1. Génova, 1298
2. La caravana de Mercaderes
3. El Viejo de la Montaña
4. Taklamakan
5. Llegada a Cambaluc
Der 1972 in Valencia geborene Komponist gehört zweifelsfrei zu den herausragenden Neuentdeckungen der letzten Jahre. Mittlerweile ist er weit über die spanischen Grenzen hinaus ein gefeierter Komponist, dessen Werke in zahlreichen Ländern aufgeführt werden. Alarcón, der seinen Zugang zur Musik weitestgehend autodidaktisch fand, unterrichtet Werkanalyse und Komposition am Conservatorio de Valencia und ist als Dirigent tätig.
Aus dem offensichtlichen Interesse an der insgesamt 24-jährigen Reise Marco Polos entspann sich ein mittlerweile mehrteiliger Zyklus, dessen erster Teil La ruta de la Seda in fünf Episoden Marco Polos Reise entlang der Seidenstraße beschreibt. Der venezianische Händler reiste im 13. Jahrhundert an den Hof des mongolischen Kaisers Kublai Khan.
Der erste Satz Génova, 1298 beschreibt die Begegnung von Marco Polo und Rustichello da Pisa im Gefängnis von Genua. Marco Polo tröstet sich damit, Rustichello seine Lebensgeschichte zu erzählen. Rustichello da Pisa, ein Autor von Ritterromanen, verwendete den Stoff für sein Buch der Wunder, auf das sich wiederum Alarcón bei seiner Komposition stützt.
Der zweite Satz La Caravana de los Mercaderes verfolgt den Zug der Händlerkarawane bei ihrer Reise durch die Länder des Fernen Ostens. Hier tragen regionaltypische Instrumente wie der Duduk, eine armenische Flöte, die Tar, eine gezupfte Langhalslaute und die Zurna, ein Oboeninstrument, zur exotischen Anmutung bei. Der Satz besteht aus zwei Teilen, zunächst eine Tamzara, ein populärer türkisch-armenischer Tanz, gefolgt von einer ausdrucksvollen Melodie des Duduk, die die Betrachtung des Bergs Ararat wiedergibt.
In El Viejo de la Montaña wird eine der fantastischen Geschichten aus Marco Polos Buch aufgegriffen, die sich mit der historischen Figur des Alten vom Berg, dem Oberhaupt einer mächtigen ismailitischen Bruderschaft beschäftigt. Die Einnahme der bislang als unbesiegbar geltenden Bergfestung von Alamut im Süden des kaspischen Meeres erschütterte die damalige Welt, weil es dieser Sekte die Kontrolle über die Handelswege der Emirate und Sultanate des islamischen Ostens sicherte. Die Untergebenen der Sekte wurden durch den Konsum von Haschisch gefügig gemacht und verübten, von der Droge berauscht, grausame Morde im Auftrag des Sektenführers. Einige Sprachforscher vermuten im Wort Hashshâshin, 'Haschischtrinker', die etymologische Wurzel des Wortes 'Assassino' für Mörder. Musikalisch lässt der Satz die majestätische Kraft von Alamut spüren. Die Atmosphäre wird durch den Einsatz von Klangschalen zunehmend beunruhigend und mündet in die Darstellung eines im Drogenrausch verübten Mordes durch ein Sektenmitglied.
Der vierte Satz beschreibt mit sehnsuchtsvollen Klängen die Reise der Händler durch die Taklamakan, die zweitgrößte Sandwüste der Erde im westlichen Teil des heutigen Chinas. Hier wird das Herannahen des mongolischen Heeres durch das lauter werdende Schlagwerk nachgezeichnet. Nach dieser martialischen Passage zieht das Heer allmählich weiter und die Händler setzen ihren beschwerlichen Weg durch die Wüste fort.
Im letzten Satz Llegada a Cambaluc findet die bisher beinahe vierjährige Reise mit der Ankunft in Cambaluc ihr vorläufiges Ende. Die Reisenden sollten hier, im heutigen Peking, mehrere Jahre verbringen. Im ersten Teil des Satzes beschreibt die Musik eine ruhige Szene mit Fischern auf dem Huan He, dem gelben Fluss nahe Pekings. In dieser Szene entfaltet die Hulusi, ein traditionelles chinesisches Blasinstrument, eine ausdrucksvolle und fließende Melodie, welche die Ruhe der chinesischen Fischer bei ihrer Arbeit wiedergibt.
Diese Ruhe schlägt in Jubel um, als die Reisenden endlich nach der jahrelangen und entbehrungsvollen Reise die Stadt Cambaluc am Horizont erblicken. Der triumphale Einzug Marco Polos in die prächtige Stadt wird begleitet vom Staunen über ein Feuerwerk, eines der Wunder, das Marco Polo bei den Chinesen kennen lernen sollte.