Digitales Programm

Unser Konzert-Programm im Frühjahr 2022

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Arr. Douglas McLain
Egmont (1810/2015)
Ouvertüre
Andreas Gömmel (*1978)Heroon (2020)
George Enescu (1861–1955)
Arr. Jacco Nefs
Roumanian Rhapsodie No. 1 (1901/2019)
Pause
David Maslanka (1943–2017)First Light (2017)
Christiaan Janssen (*1974)Capriccio (2015)
John Williams (*1932)
Arr. Paul Lavender
Symphonic Suite from Star Wars: The Force Awakens (2015)
1. March of the Resistance
2. Rey’s Theme
3. Scherzo for X-Wings
4. The Jedi Steps and Finale

Werkbeschreibungen

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Arr. Douglas McLain
Egmont (1810/2015)
Ouvertüre

Der 1770 in Bonn geborene Ludwig van Beethoven entstammt einer Musikerfamilie. Sein außergewöhnliches Talent führten ihn von Bonn nach Wien, wo er von seinen großen Zeitgenossen Mozart und Haydn lernte und gefördert wurde. Beethoven gelang es in seiner neuen Heimat die Lücke zu füllen, die Mozarts Tod hinterlassen hatte und avancierte zum gefragten Komponisten und Lehrer. Sein Erfolg wurde zunehmend von der Sorge um seine fortschreitende Schwerhörigkeit überschattet. Trotz seiner schwierigen Biographie schuf er zeitlose Werke, mit denen er aufgrund seines Aufbegehrens gegen vorgegebene Formen und seines Fokus‘ auf die persönliche Aussage in der Musik, den Übergang von der Klassik zur Romantik bereitete. Sein herausragendes Oeuvre, darunter seine neun Sinfonien, inspirierte zahllose Komponisten aller nachfolgenden Epochen.
Die Ouvertüre zu Egmont entstand als Teil der Schauspielmusik zu Johann Wolfgang von Goethes Drama Egmont. Während das Schauspiel eher selten aufgeführt wird, erfreut sich die Ouvertüre weiterhin einiger Beliebtheit und erklingt, losgelöst von Goethes Trauerspiel ohne szenische Darbietung, häufig im Konzertsaal.

Andreas Gömmel (*1978)
Heroon (2020)

Große Komponisten haben sich nicht nur an der weltbekannten 5. Sinfonie – wer kennt es nicht, das prägnante „ta ta ta taaaa“ – abgearbeitet, sondern auch immer wieder auf Beethovens 3. Sinfonie mit dem Beinamen „Eroica“ zurückgegriffen. Die Antipoden Brahms und Bruckner schöpften gleichsam ihre Inspiration aus den visionären Kompositionen Beethovens, aber auch Sibelius, Mahler, und Schostakowitsch verwiesen in ihren Werken immer wieder auf das Beethovensche Erbe. So ist es auch kein Wunder, dass der Komponist Andreas Gömmel mit seinem Auftragswerk des LBO 2020 im Rahmen des Beethoven-Jahrs ebenjenem Jubilar ein musikalisches Denkmal – ein Heldengrab („Heroon“) gesetzt hat.
Welche Ideen und Gedanken hinter diesem Heldengrab stehen? Lassen wir den Komponisten doch selbst zu Wort kommen:

Wie reflektiert man Beethoven musikalisch, 250 Jahre nach seiner Geburt, 193 Jahre nach seinem Tod? Eine Art Medley? Oder mit einem Stück, das Beethovens Themen paraphrasiert und in einen neuen Zusammenhang bringt? Das gibt es schon. Sogar in ziemlich guter Qualität. Meine Idee war deshalb, ihm ein musikalisches Heldengrabmal, ein Heroon (griechisch Ηρώον) zu bauen, dessen Architektur er selbst entworfen hat.
Die Grundlage stellt die 3. Sinfonie Beethovens dar, deren erstes Thema zum Ende des Stücks als einziges Element „wörtlich“ zitiert wird. […] Die musikalische Hommage besteht darin, dass Heroon über den gleichen Aufbau wie der erste Satz der 3. Sinfonie verfügt. Auch inhaltlich ist Heroon eine Hommage an das große Ideal Beethovens, der zu Lebzeiten erfahren musste, dass die ersehnte, damals revolutionäre Freiheit nicht durch einzelne Helden erreicht wird, sondern durch diese vielmehr verhindert wird. Heroon ist dabei keine Programmmusik, jedoch ist das Stück 2020 in einer Zeit entstanden, in der teilweise persönliche Freiheiten eingeschränkt werden mussten. Die Erfahrungen und Stimmungen dieser Zeit haben implizit Eingang in das Stück gefunden.
Das Stück reflektiert über die klassische Durchführung von musikalischen Themen das subjektive Empfinden von Freiheit, ihrer Einschränkung und wie man sie sukzessive wiedergewinnen kann. Zahlreiche Rückschläge bleiben nicht aus. Ungewissheit und Angst wechseln sich ab mit Mut, Hoffnung und Tatendrang. Das Stück steuert mehrmals auf einen Schluss zu, der sich allerdings als trügerisch herausstellt. Erst, nachdem das Themenzitat aus der 3. Sinfonie erschienen ist, endet das musikalische Heldengrabmal im dreifachen Forte und (übertrieben?) optimistisch in einem (typisch heldenhaften) Es-Dur-Dreiklang.
Zur Vorbereitung des Stücks durfte ich Anfang 2020 einen Probensamstag des Orchesters besuchen. Ich habe einige Register befragen können, was sie sich für ein Stück wünschen, das ihnen „auf den Leib“ geschneidert ist. Dabei kamen einige sehr gute Vorschläge zusammen. Insbesondere haben die Register während des Stücks die Gelegenheit, sich in solistischer Zusammensetzung bestmöglich zu präsentieren. Auch die Verwendung der seltenen Oboe d’Amore gegen Ende des Stücks war eine solche Anregung.

Mehr Informationen zu Andreas Gömmel und seinen Werken finden Sie auch auf seiner Homepage: https://angoe.wordpress.com/2016/08/19/vita-2/

George Enescu (1881-1955)
Rumänische Rhapsodie Nr. 1 in A-Dur, op. 11 (1901)

Das kam unerwartet: Als George Enescu 1901 mit nur 19 Jahren an den zwei Rumänischen Rhapsodien für Sinfonieorchester arbeitete, ahnte er nicht, dass er mit diesen Werken weltberühmt werden würde. Enescu studierte zu dieser Zeit noch Violine und Klavier in Paris. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Norden Rumäniens, reiste er später als Geigenvirtuose, Kammermusiker und Dirigent durch ganz Europa. Mit den rumänischen Rhapsodien wollte er eigentlich lediglich ein paar Melodien aus seiner Heimat aneinanderreihen – er selbst sah in seiner Komposition keine überragende Leistung: Er war regelrecht enttäuscht, wie sehr er auf dieses Orchesterwerk als Abbild seiner rumänischen Herkunft reduziert worden ist. Heute ist die erste Rhapsodie der beiden sein bekanntestes Werk.
Das Stück beginnt mit einem säuselnden Wechselspiel von Klarinette und Oboe. Was wie eine schmeichelnde Unterhaltung klingt, ist in Wirklichkeit die Melodie des Volkslieds »Ich hab‘ einen Leu und will ihn versaufen«, was davon handelt, sich mit dem einzigen Geld (Leu = »Löwen«, die Währung Rumäniens) zu betrinken. Das Orchester übernimmt dann die Melodie, verleiht ihr einen raueren Charakter und führt das Publikum in Windeseile durch zahlreiche andere Lieder, Klangfarben und Stimmungen.
Mal klingt die Musik leicht und tänzerisch, mal gehetzt und dramatisch: Holzbläser werfen sich kleinste Motive hin und her, Melodien verlaufen durch mehrere Register. Nach einem rhythmisch raffinierten, fröhlichen Tanz in Dur-Harmonik findet man sich kurz darauf in einer dramatisch moll-gefärbten Melodie wieder, die vom ganzen Orchester getragen wird. Die einzige Konstante: die Spontanität.
Man darf George Enescu nicht nur im Licht der rumänischen Folklore sehen – das hätte vor allem ihm selbst nicht gefallen. In seinem Kompositionsstil hatte er sich zeit seines Lebens nicht festlegen lassen. Trotzdem schmälert das nicht die Leichtigkeit, die Flexibilität und den neckischen Schwung, mit dem seine Rumänische Rhapsodie Nr. 1 unerwartet zum Erfolg wurde.
Dem niederländischen Dirigenten Jacco Nefs ist es gelungen, Enescus differenziertes Werk für Blasorchesterbesetzung zu arrangieren – ohne dabei an Enescus rhythmischen und instrumentatorischen Feinheiten zu verlieren.

David Maslanka (1943–2017)
First Light (2016)

»First Light hat zwei Charaktere. Sie sind in der Partitur als ›unvergessliche Wunden – Dunkelheit‹ und ›Beharrlichkeit – erstes Licht‹ bezeichnet. Ich habe die langjährige Erfahrung gemacht, dass keine wirkliche Veränderung, keine Transformation, ohne Krise stattfindet. Wir bewegen uns nicht, wenn wir es nicht müssen. Dies gilt auf gesellschaftlicher, ökologischer sowie auf persönlicher Ebene. Wir stehen vor gewaltigen Krisen in unserer Gesellschaft und in unserer Welt, wobei jeder Aspekt der menschlichen Dunkelheit an die Oberfläche kommt. Ich glaube, dass wir mit Fantasie, Arbeit und Ausdauer am Rande einer tiefgreifenden Transformation stehen – einer Bewegung ins Licht.«

David Maslanka im November 2016

Krieg in der Ukraine, weltweite Pandemie und die sich zuspitzende Klimakatastrophe: David Maslankas Worte und seine Musik gehen im Kontext der aktuellen Herausforderungen unter die Haut.
Der US-amerikanische Künstler vermochte es, über den Rand seines Kompositionsschreibtisches zu schauen. Der studierte Klarinettist, Komponist, Musiktheoretiker und Dr. phil. beschäftigte sich intensiv mit Geschichte, Psychologie, Anthropologie, Religion, Mythologie und Poesie. Sicherlich erklären diese Hintergründe Maslankas einzigartigen Kompositionsstil. Er basiert oft auf Mediationserfahrungen, ist farbenreich, zielt auf Selbstentdeckung und den Zugang zu unbewussten Energien. Oft gibt es ein verbindendes Thema: Entwicklung. Diese lässt sich in First Light ganz nach dem Motto »Per aspera ad astra« (lat. über Raues zu den Sternen) gänsehautnah erleben. Analog zu Beethovens 5. Sinfonie beschreibt First Light einen von Mühsal gezeichneten Weg von der Dunkelheit ins Licht. Das Werk beginnt mit dunklen und dramatischen Tutti-Harmonien. Im Verlauf strahlen erste Hoffnungsschimmer durch die beklemmende Atmosphäre. Eine melancholische Melodie kristallisiert sich heraus und endet in einer offenen Frage. Abrupt setzt ein energiegeladenes Thema ein, das sich virtuos weiterentwickelt. Darüber erstreckt sich eine glockenartige Melodie, die Hoffnung, Zuversicht und Lebensfreude ausstrahlt. Schnell wird klar, dass eine große Entwicklungslinie nur durch die Beharrlichkeit der einzelnen Stimmen entstehen kann. Eine vorwärts gerichtete Energie pulsiert unbändig zwischen Introversion und Extraversion. David Maslanka lädt mit First Light dazu ein, sich durch die Musik mit den Mitmenschen zu verbinden und aktiv zur Weiterentwicklung beizutragen – auch wenn es einer gemeinsamen Anstrengung bedarf.

Christiaan Janssen (*1974)
Capriccio (2015)

Der niederländische Komponist Christiaan Janssen fand schon in jungen Jahren zur Musik. Seine vielseitigen musikalischen Fertigkeiten vertiefte er bei einem Studium der Fächer Orchesterleitung und Konzertorgel am Konservatorium in Maastricht.
Auch mit der Komposition beschäftigte er sich bereits während seiner Jugend und so umfasst sein Schaffen mittlerweile mehr als hundert Blasorchesterwerke, darunter zahlreiche Auftragskompositionen und Wettbewerbsstücke.
Das Capriccio ist ein fulminantes Werk, dessen Wurzeln unüberhörbar in der deutschen Spätromantik insbesondere Richard Strauss‘ liegen. Christiaan Janssen beschreibt sein Werk folgendermaßen:
Ein Capriccio ist ein Musikstück, das üblicherweise recht frei in der Form und von lebhaftem Charakter ist. Das typische Capriccio ist schnell, intensiv und oft von virtuoser Natur. In der Malerei ist ein Capriccio insbesondere eine architektonische Fantasie, die Gebäude, archäologische Funde und andere Elemente der Architektur in fiktionalen und oft fantastischen Zusammenhängen kombiniert, unter Umständen auch mit Figuren als Beiwerk.
Für sein Capriccio ließ sich Christiaan Janssen vom 1758 entstandenen Gemälde Capriccio of Rome des italienischen Barockmalers Giovanni Paolo Pannini (1691-1765) inspirieren.


Giovanni Paolo Panini – Roman Capriccio, The Colosseum and Other Monuments

 

John Williams (*1932), arr. Paul Lavender
Symphonic Suite from Star Wars: The Force Awakens (2015)
1. March of the Resistance
2. Rey’s Theme
3. Scherzo for X-Wings
4. The Jedi Steps and Finale

Der amerikanische Komponist John Williams wurde 1932 in New York geboren und erlangte als Komponist, Dirigent und Produzent Weltruhm. Der mehrfache Oscar- und Grammy-Gewinner zählt seit beinahe fünfzig Jahren zu den weltweit bekanntesten, einflussreichsten und erfolgreichsten Filmkomponisten. Besondere Beachtung gebührt der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Steven Spielberg an Filmen wie Der weiße Hai, Indiana Jones, ET, Schindlers Liste, Jurassic Park und vielen mehr. Mit dem Regisseur George Lucas verbindet ihn die Musik zur Science-Fiction-Filmreihe Star Wars. Die Soundtracks zählen auch heute noch zu den erfolgreichsten der Kinogeschichte. Alle wurden vom London Symphony Orchestra eingespielt.
Gemeinsam mit dem Filmemacher George Lucas etablierte der Komponist John Williams eine Tonsprache, die sich bewusst von der futuristischen Thematik des Films distanziert, um beim Zuschauer Assoziationen von traditioneller sinfonischer Musik zu wecken. Damals wie heute bedient sich John Williams einer Klangsprache, die sich stark am musikalischen Ausdruck wagnerianischer Orchestermusik des 19. Jahrhunderts orientiert. So werden beispielsweise wichtige Charaktere oder Schauplätze mit einem spezifischen musikalischen Thema belegt, welches bei jedem Erscheinen der jeweiligen Figur leitmotivartig erklingt und entsprechend der Dramatik variiert wird.
Das Heldenepos Star Wars handelt im fiktiven Universum einer fernen Vergangenheit. Thematisiert wird der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse, repräsentiert durch die helle und die dunkle Seite der Macht. Erzählt wird die Geschichte vom Untergang einer Republik, dem folgenden Aufstieg eines diktatorischen Imperiums und dem Aufstand gegen das vorherrschende totalitäre System. Neben den ursprünglichen drei Filmen der achtziger Jahre folgten aufgrund des großen Erfolges drei Folgen, die vor der ursprünglichen Handlung angesiedelt sind und weitere drei Folgen, die rund dreißig Jahre später an die Geschichte anknüpfen. Die erste dieser Sequel-Folgen ist der 2015 erschienene Film Star Wars: The Force Awakens, Das Erwachen der Macht. Der Film wurde erwartungsgemäß ein großer Publikumserfolg und entwickelte sich schnell zum Kassenschlager.