Programm
Programm Frühjahr 2026
| Philip Sparke (*1951) | Jubilee Overture (1984) | |
| Jules Strens (1893-1971) | Danse funambulesque (1925/1930) | |
| Kevin Houben ( *1977) | Resurrection (2022) | |
| - PAUSE - | ||
| Hans Gál (1890-1987) | Marsch aus Promenadenmusik (1926) | |
| Frederik Abel (*2003) | Drei-Klänge der Heimat (2026) | |
| Serge Lancen (1922-2005) | Symphonie de Paris (1975) | |
| Johan de Meij (*1953) | Echoes of San Marco (2016) |
Werkbeschreibungen
Jubilee Overture (1984)
Philip Sparke (*1951)
Der 1951 in London geborene Komponist studierte dort am Royal College Trompete, Klavier und Komposition. Bereits während seiner Studienzeit begann er Stücke für unterschiedliche Bläserbesetzungen zu veröffentlichen.
Philip Sparke ist ein weit gereister und vielbeschäftigter Juror, Dozent und Dirigent sowie ein mehrfach ausgezeichneter Komponist, dessen Musikstücke weder aus der Welt der Sinfonischen Blasmusik noch der Brass Bands wegzudenken sind. Viele seiner Werke entstanden als Auftragskompositionen renommierter Orchester.
So auch die mitreißende Jubilee Overture, die 1983 zu Ehren des fünfzigjährigen Jubiläums der britischen GUS Brass Band uraufgeführt wurde. Die Fassung für Sinfonisches Blasorchester, die der Komponist ein Jahr später veröffentlichte, brilliert durch festliche Blechbläserfanfaren und virtuose rhythmische Wendungen sowie eine kontrastreiche Instrumentierung. Eingebettet in strahlende Blechbläserklänge und quirlige Abschnitte, entwickelt sich aus der Mitte des Orchesters ein berührendes, gesangliches Thema, das nach und nach vom ganzen Orchester aufgegriffen wird.
Danse funambulesque (1925/1930)
Jules Strens
Der belgische Komponist Jules Strens studierte Violine am Königlichen Konservatorium in Brüssel. 1926 wurde er Mitglied in der Gruppe Les Synthétistes, in der sich junge, progressive Komponisten der 1920er Jahre zusammenschlossen. Analog zu vergleichbaren Bestrebungen in Deutschland, die beispielsweise in den Donaueschinger Musiktagen verwirklicht wurden, hatte sich die belgische Musikgruppe um Paul Gilson zum Ziel gesetzt, sich durch einen neuen Stil von der spätromantischen Musik abzugrenzen und moderne Literatur für Blasorchester zu schaffen.
Strens musikalisches Werk ist vielseitig und brachte ihm verschiedene Auszeichnungen ein. Die ersten Kompositionen des Autodidakten waren zweifellos von Richard Strauss inspiriert.
In der weiteren Entwicklung seines Stiles experimentierte er vielfach mit Polyrhythmik. Dies zeigt sich insbesondere in den Kompositionen Rhapsodie polyrythmique und Danse funambulesque.
Der Danse funambulesque, der Tanz auf dem Seil, wurde 1925 ursprünglich für Kammerorchester geschrieben und von Jules Strens 1930 für Symphonisches Blasorchester neu instrumentiert. Dem Komponisten schwebte es nicht vor, die konkrete Gefahr des Seiltanzes darzustellen, vielmehr wollte er alle Schattierungen menschlichen Verhaltens im Angesicht bedrohlicher Situationen abbilden.
Die Musik beginnt beinahe regungslos in einer ruhigen, kontemplativen Stimmung, die die Gefühlswelt des Seiltänzers widerspiegelt, unmittelbar, bevor er das Seil betritt. Die Atmosphäre durchläuft Phasen von Besessenheit, Zorn und äußerster Bedrängnis hin zu einem ekstatischen Finale, voll von überwältigender Ausgelassenheit und Energie.
Resurrection (2022)
Kevin Houben
Der in Belgien geborene Komponist Kevin Houben befasste sich bereits seit seiner frühesten Jugend in vielfältiger Weise mit Musik. Er erlernte die Trompete und widmete sich ausgiebig der Kammermusik. In seinen späteren Studien beschäftigte er sich mit Blasorchesterleitung, Arrangement und Komposition, unter anderem bei Jan Van der Roost. Heute ist er ein gefragter Pädagoge, Dirigent und preisgekrönter Komponist.
Im Auftrag der belgischen Concert Band Maasmechelen komponierte er das Werk Resurrection. Dabei ließ er sich maßgeblich von Gustav Mahlers gewaltiger 2. Sinfonie, der sogenannten Auferstehungssinfonie, inspirieren. Houben greift zahlreiche kompositorische Bausteine und Klangelemente auf, die er wie der österreichische Meister in der Natur findet, und verarbeitet sie auf zeitgemäße Weise weiter. Das feingliedrige Werk beginnt mit einem Rückbezug auf die Natur und bietet im Verlauf jeder Instrumentengruppe die Möglichkeit, in solistischen Fragmenten, in transparenten thematischen Passagen sowie in kraftvollen Tuttistellen zu strahlen. Nach einem groß angelegten Spannungsbogen mündet das Stück mit dem klanggewaltigen Auferstehungschoral aus Mahlers 2. Sinfonie. Dabei erzeugt die reiche Orchestrierung des Chorals die Illusion, als seien eine Orgel und ein Chor beteiligt.
So behält das Motto Gustav Mahlers auch in dieser moderneren Interpretation seine Gültigkeit: „Die Musik muss immer ein Sehnen enthalten, ein Sehnen über die Dinge dieser Welt hinaus.“
Drei-Klänge der Heimat (2025)
Frederik Abel
Im Jahr 1926 wurde bei den Donaueschinger Musiktagen ein wegweisendes Konzert veranstaltet, mit dem Ziel, die deutsche Blasorchesterliteratur zu fördern.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums dieses Konzertes rief der Blasmusikverband Baden-Württemberg e.V. den Kompositionswettbewerb Donaueschingen 2.0 aus und beauftragte das Landesblasorchester Baden-Württemberg mit der Durchführung. In Anlehnung an die Idee von 1926 sollten wertvolle Werke entstehen, die die sinfonische Blasorchesterliteratur bereichern und erweitern. Im Gegensatz zu 1926 war bei diesem Kompositionswettbewerb die Vorgabe, sich mit deutschen Volksliedern, Folklore und Musiktraditionen auseinandersetzen.
Aus einem großen Teilnehmerfeld überzeugte der erst 22-jährige Frederik Abel die Jury mit seiner Komposition Drei-Klänge der Heimat.
In seinem Werk Drei-Klänge der Heimat verarbeitet er die Volkslieder Viel Wollust mit sich bringet, Wenn ich ein Vöglein wär’ und Guten Abend, Gute Nacht. Jedem der drei Lieder wird ein eigener Raum geboten, zudem ziehen sich musikalische Verweise durch die gesamte Komposition.
Diese Anklänge verbinden sich wie Mosaiksteine schließlich zu einem neuen, eigenständigen Werk.
Dabei zeichnet sich das Werk Drei-Klänge der Heimat durch eine besonders frische Kompositionsweise und eine abwechslungsreiche Instrumentierung aus, die eine stimmige Kombination aus alten und neuen Blasorchesterklängen schafft.
Zu Ehren der historischen Konzerte von 1926 findet die Uraufführung des Werkes am 18.04.2026 in Donaueschingen statt.
Symphonie de Paris (1975)
Serge Lancen (1922-2005)
Der französische Komponist Serge Lancen wurde 1922 in Paris geboren. Schon sehr früh zeigte sich seine außergewöhnliche musikalische Begabung. Er studierte Klavier und Komposition am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris. Neben anderen Preisen erhielt er den renommierten Rompreis. Sein Œuvre umfasst zahlreiche Kompositionen aller Gattungen. Auf Anregung seines Freundes Désiré Dondeyne befasste er sich ab 1960 überwiegend mit symphonischer Blasmusik.
Serge Lancen schrieb die Symphonie de Paris im Auftrag des französischen Kulturministeriums im Jahr 1973. Er widmete sie Désiré Dondeyne, der sie 1975 im Pariser Palais des Congrès mit der Musique des Gardiens de la Paix uraufführte.
Die Symphonie de Paris beschreibt einen musikalischen Spaziergang durch die französische Hauptstadt. Unmittelbar nach seiner Ankunft erlebt der Besucher die typische Heiterkeit der bekannten Viertel, die Lebendigkeit und Betriebsamkeit der großen Boulevards, die geheimnisvolle Eleganz der Champs Élysées, den poetischen Charme der Seine-Ufer und die beeindruckende Kathedrale Notre-Dame, die sich in der Seine spiegelt. Dann gibt es das traditionelle Zentrum der Intellektuellen und Künstler, das Rive Gauche, mit dem jungen und dynamischen Quartier Latin und Saint-Germain-des-Prés, einem idealen Ort zum Flanieren. Der Spaziergang endet am Eiffelturm, von wo aus sich nach und nach das gesamte Panorama der Stadt mit seinen Denkmälern, Alleen und den Windungen der Seine erstreckt.
Echoes of San Marco (2016)
Johan de Meij (*1953)
Der niederländische Komponist Johan de Meij begann seine musikalische Karriere im Alter von 15 Jahren als Posaunist im örtlichen Blasorchester. Sein Militärdienst im Musikkorps und das anschließende Posaunenstudium in Den Haag bestärkten ihn darin, die Musik zu seinem Beruf zu machen. Er verfolgte eine erfolgreiche Karriere als professioneller Instrumentalist und trat als Posaunist und Euphonionist mit vielen führenden Orchestern und Ensembles in den Niederlanden auf. Die Mitwirkung im professionellen Haags Koper Blechbläserensemble animierte ihn, sich in ersten Arrangements und Kompositionen zu versuchen. Schnell machte er sich mit seinen Bearbeitungen und Eigenkompositionen für Blasorchester einen Namen. Den Grundstein für seinen großen Erfolg legte er mit der Veröffentlichung seiner bahnbrechenden ersten Sinfonie Herr der Ringe, die auf dem bekannten gleichnamigen Romanzyklus von J.R.R. Tolkien basiert. Aber auch Werke wie The Big Apple, Casanova, das T-Bone Concerto und Extreme Makeover gehören zum Standardrepertoire hervorragender Blasorchester und werden bei zahlreichen Konzerten und Wettbewerben aufgeführt. Echoes of San Marco ist der Gewinner des 30. Internationalen Kompositionswettbewerbs in Corciano, Italien. Die Jury lobte das Werk für seine „äußerst originelle Komposition und einfallsreiche Orchestrierung”.
Echoes of San Marco wurde als Hommage an den italienischen Renaissance-Komponisten Giovanni Gabrieli (1554–1612) komponiert, der für seinen Gebrauch von doppelchörigen Bläserensembles bekannt war, die sich in der beeindruckenden Kulisse des Markusdoms in Venedig, gegenüberstanden. Das Stück ist durchwoben von Fragmenten von Giovanni Gabrielis majestätischer Canzon Septimi Toni a 8 aus den Sacrae Symphoniae (1597), die ursprünglich für zwei vierstimmige Blechbläserchöre geschrieben wurde. Verschiedene Register des Orchesters so z.B. ein Saxophon- oder Hornquartett und sogar zwei Sätze von Röhrenglocken, imitieren die Blechbläserchöre, während die Klarinetten und die Flöten die Echos auf geheimnisvolle Weise mit Clusterakkorden verlängern. Das Werk erreicht mit einer grandiosen Hymne seinen triumphalen Abschluss.
© Landesblasorchester Baden-Württemberg